
Nährstoffe
Der einfachste Diät-Hack
Calcium oft der Bösewich? Ein Wissenschaftler bewies, dass zusätzliches Calcium die Gewichtsabnahme fördert – manchmal sogar effektiver als teure Mittel.

Nährstoffe
Calcium oft der Bösewich? Ein Wissenschaftler bewies, dass zusätzliches Calcium die Gewichtsabnahme fördert – manchmal sogar effektiver als teure Mittel.
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Wasserfilter schön und gut. Den dürften mittlerweile sehr viele Menschen hierzulande nutzen – auch wir selbst. Ob er wirklich nötig ist, steht auf einem anderen Blatt.
Beispiel: Hartes Wasser ist auch in der Schweiz ein bisschen verpönt. Nicht nur, weil es bekanntermassen Haushaltsgeräte schädigen kann. Manche Menschen glauben auch, dass es den Körper schädigt.
Dabei steht «Wasserhärte» einfach nur für Mineralienreichtum – genau genommen geht's um die Erdalkalimetalle (2. Hauptgruppe des Periodensystems), vor allem Magnesium und Calcium.
Dass der Körper die Mineralien aus Mineralwasser auch gut aufnehmen kann, war erst vor wenigen Jahren Thema in einer deutschen Studie. Fazit: Natürlich nimmt der Körper sie fröhlich auf.¹
Dass Magnesium ziemlich gesund ist, wissen wir. Doch wie sieht's eigentlich mit Calcium aus?
Die wichtigste Erhebung hierzu ist wieder einmal die Nationale Verzehrsstudie II. Die hat gezeigt, dass sage und schreibe rund 50 % der erfassten Bevölkerung zu wenig Calcium zuführen – ein Befund, der sich in vergleichbaren Studien im deutschsprachigen Raum durchgehend bestätigt. Den besonders schlecht versorgten Menschen fehlen hierbei rund 500 mg pro Tag – eine ganze Menge!
Leider halten sich auch bei Calcium ein paar Mythen. So ein Mythos ist beispielsweise, dass Calcium die Gefässe verkalkt. Doch wie so oft gilt auch hier: Nur, weil man Calcium in «verkalkten Gefässen» findet, heisst das nicht, dass Calcium die Gefässe schädigt.
Das Gegenteil stimmt: Ohne Calcium kann eines der wichtigsten «Gefässschutz-Enzyme», die endotheliale Stickstoffmonoxidsynthase, gar nicht funktionieren.
Ausserdem wurde gezeigt, dass mehr Calcium mit einem geringeren Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden ist.² In Tierstudien hemmt Extra-Calcium sogar die Gefässverkalkung – ein Calciummangel wiederum macht die Gefässe krank.³
Auch lässt sich immer wieder lesen, dass Calcium zellaktivierend wirke und zu viel Calcium die Zellen folglich übererrege, stresse und krank mache. Tatsächlich dient Calcium als wichtiger Signalstoff in den Zellen, man spricht von intrazellulärem Calcium oder [Ca²⁺]ᵢ.
Doch auch hier zeigt sich wieder ein Fehlschluss: Mehr Calcium in der Nahrung erhöht den Calciumeinstrom in Zellen nicht zwingend – Extra-Calcium senkt ihn sogar. Zumindest in Fettzellen.⁴
Dieses Wissen machte man sich vor einigen Jahrzehnten in der Diätforschung zunutze. Hier hat ein werter Wissenschaftler namens Michael B. Zemel (damals Uni Tennessee) herausragende Forschungsarbeit geleistet.
Er konnte nämlich beweisen, dass hohe Calciumwerte in Fettzellen die Fettspeicherung begünstigen und verringerte Calciumwerte die Fettspeicherung folglich hemmen. Wie bereits erwähnt: Durch Extra-Calcium (!) liess sich der Calciumgehalt in Fettzellen senken.⁴
Im Jahr 2000 publizierte er dazu erste Daten:⁴
Doch das war ihm natürlich nicht genug. Er wollte die Humanstudie. So eine klinische Studie mit 32 übergewichtigen Probanden wurde zum Beispiel im Jahr 2004 unter seiner Federführung veröffentlicht.⁵
Eine Gruppe wurde dabei mit typischen Calcium-Mengen versorgt (400–500 mg). Zwei weitere Gruppen wurden entweder mit viel Calcium über eine Ergänzung (800 mg) oder über die Zufuhr von Milchprodukten (über 1'000 mg) versorgt.
Obwohl alle Probanden über einen Zeitraum von 24 Wochen ein Defizit von 500 kcal pro Tag erhielten, war der Fettverlust unter der Ca-Ergänzung um 38 % und unter der Ernährung mit Milchprodukten um 64 % erhöht. Der Fettverlust am Rumpf verdoppelte bzw. verdreifachte sich unter den calciumreichen Ernährungen.
Die Ergebnisse wurden u. a. in weiteren klinischen Studien (2005⁶ und 2013⁷) bestätigt. Offenbar beflügelt von seinen Ergebnissen, schrieb Zemel damals sogar ein populärwissenschaftliches Buch über seine Erkenntnisse («The Calcium Key»).
Zemel nannte diese Beobachtungen übrigens «Anti-Fettleibigkeit-Effekt». Dieser wurde erst kürzlich in einem neuen Review nochmal ausführlich besprochen.⁸ Vielleicht braucht's also gar kein teures Ozempic, sondern nur mehr Calcium.
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