
Longevity
Bahnbrechende Krebs-Therapie
Eine revolutionäre Ultraschall-Therapie könnte Krebs in Zukunft durch Aktivierung des Immunsystems bekämpfen – ähnlich wie ein Impfstoff.

Longevity
Eine revolutionäre Ultraschall-Therapie könnte Krebs in Zukunft durch Aktivierung des Immunsystems bekämpfen – ähnlich wie ein Impfstoff.
Line items
Krebs ist eine schlimme Krankheit, die vor allem viele Facetten hat.
Es gibt nicht den Tumor und selbst bei einer Krebserkrankung können verschiedene Tumore im Körper unterschiedliche Stoffwechselprofile aufweisen, was eine Behandlung prinzipiell sehr kompliziert machen kann. Darüber hinaus müssen Patienten oft operiert werden, was die Belastung des Körpers erhöht. Chemotherapien sind heute zwar wesentlich effizienter als noch vor wenigen Jahrzehnten, wirken aber bekanntermaßen genotoxisch, was das Risiko erhöht, dass irgendwann ein neuer Krebs entsteht.
In den letzten Jahren hat die Immuntherapie riesige Fortschritte gemacht. Der Krebs kann in Zukunft vielleicht wie ein Virus oder Bakterium behandelt werden. Denn: Prinzipiell verfügt jeder Körper über die Möglichkeit, Tumorzellen zu vernichten. In gesunden Menschen passiert dies bis ins hohe Alter – das Immunsystem vernichtet konstant entartete und falsch programmierte Zellen. Völlig normal. Bei 20–30 % von uns versagt das Immunsystem jedoch derart, dass wir am Krebs sterben.
Und das hat einen Grund: Tumore verstecken sich aktiv vor dem Immunsystem. Er tarnt sich gut oder bremst das Immunsystem lokal so aus, dass es nicht wirken kann. Daher suchen Forscher nach Möglichkeiten, das Immunsystem wieder scharf zu stellen, so, dass es den Tumor «sieht» und die Schlagkraft hat, ihn zu vernichten. Über solche Möglichkeiten haben wir schon des Öfteren berichtet.
Ein völliger neuer Ansatz ist die s. g. Histotripsie. Dabei werden hochintensive Ultraschallwellen lokal von außen auf das betroffene Gewebe gefeuert. Sie erzeugen in Geweben kleinste Blasen bzw. Hohlräume in Flüssigkeiten. So auch in die Tumorzellen. Wenn sie implodieren, zerstören sie Krebszellen. Das kann so punktgenau geschehen, dass gesundes Gewebe davon nicht betroffen ist.
Diese Technik gibt es zwar schon seit 1–2 Jahrzehnten. Der Einsatz in der Krebstherapie ist aber völlig neu und klinische Studien laufen jetzt erst an. Aktuelle Forschungen an Mäusen sind bahnbrechend. So scheinen die Schallwellen selbst dann die Mehrzahl der Tiere nachhaltig tumorfrei zu machen, wenn gar nicht der ganze Tumor an sich durch die Schallwellen abgetötet wird.
Und hier kommt der sensationelle Punkt ins Spiel, Thema Immunsystem: Aufgeplatzte Tumorzellen sind nicht mehr unsichtbar für das Immunsystem. Die Proteine, die die Tumorzelle abgibt, werden vom Immunsystem wie Proteine von Viren oder Bakterien erkannt – man spricht von Antigenen. Die Folge ist eine robuste Immunantwort, über die das Immunsystem den Rest des Tumors tötet.
Das wirklich Sensationelle an diesen Erkenntnissen und der Grund, warum wir überhaupt darüber berichten ist, dass Forscher Teile des durch den Ultraschall vernichteten Tumors aus einem Tier extrahierten und in ein anderes Tier injizierten, das dann extrem robust vor diesem Krebs geschützt war. Das ist sozusagen das Urprinzip des Impfens: Man gibt dem Immunsystem die Information über ein Pathogen, die eine Immunreaktion auslöst und vor der Krankheit schützt.
«Die Injektion der Trümmer in eine zweite Maus hatte fast eine impfstoffähnliche Eigenschaft», sagte ein Autor der Studie. «Mäuse, die diese Trümmer erhielten, waren erstaunlich resistent gegen das Wachstum von Krebs.»
Freilich könnte man diese «Zelltrümmer» mitsamt den Antigenen auch aus dem Patienten entnehmen, aufreinigen und nochmal als Impfstoff verabreichen, um eine Immunreaktion zu forcieren. Denkbar wäre damit sogar, die Tumor-Antigene in ein Tier zu injizieren, um tumorspezifische Antikörper zu gewinnen. Aber das sind nur unsere Gedanken als Laien auf diesem Fachgebiet.
Dieses Prinzip eröffnet jedenfalls völlig neue Möglichkeiten in der Immuntherapie. Denn bislang versuchen Forscher Impfstoffe oder Antikörper gegen bestimmte Proteine zu entwickeln. Das ist aber enorm aufwändig und unterm Strich, wenn es klappt, auch ein tiefer Eingriff in die Physiologie, häufig mit teils schweren Nebenwirkungen verbunden.
Diese Methode bedient sich stattdessen quasi uralten und ureigenen Prinzipien des Immunsystems. Vielleicht hören wir in Zukunft ja noch öfter davon. Hoffentlich ;) Denn damit solche Therapien auch wirklich breitflächigen Einsatz finden ... muss es sich für Pharmafirmen auch lohnen. Und es darf bezweifelt werden, ob so eine Therapieform genug Geld abwirft. Schau'n wa mal.
Festhalten können wir: Das Immunsystem ist wieder einmal der Schlüssel.
(Quelle: University of Michigan. [Quelle nicht mehr verfügbar] ScienceDaily.)