
Longevity
Chronisch gestresst
Chronischer Stress hat weitreichende Folgen für deine Gesundheit – vom Schrumpfen des Gehirns bis zur Beeinträchtigung des Immunsystems. Erfahre, was bei Stress in deinem Körper passiert und wie du gegensteuern kannst.

Longevity
Chronischer Stress hat weitreichende Folgen für deine Gesundheit – vom Schrumpfen des Gehirns bis zur Beeinträchtigung des Immunsystems. Erfahre, was bei Stress in deinem Körper passiert und wie du gegensteuern kannst.
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Der Alltag kann ganz schön herausfordernd sein, das kennen wir alle. Zwischen dutzenden Terminen an einem stressigen Arbeitstag, Kindern, Haushalt oder anderen To-dos bleibt manchmal kaum Zeit zum Durchatmen. Dann können sich auch eigentlich heiss ersehnte Freizeitaktivitäten wie der Wochenend-Brunch mit Freunden oder der Gang zum Sport auf einmal anfühlen wie eine zusätzliche «Verpflichtung». Bleiben die Stressoren im Alltag präsent, sehen wir diese Freunde vielleicht immer weniger und aus den gesunden Gewohnheiten werden eher «gesunde Ausnahmen».
Wer denkt «Gestresst sind wir doch alle, das gehört eben zum Leben.», bagatellisiert eine ernst zu nehmende Gefahr für die eigene Gesundheit. Chronischen Stress gilt es dringend zu vermeiden. Um das «Warum?» und «Wie geht das?» soll es im heutigen Artikel gehen.
Die Wahrnehmung eines störenden Reizes im Gehirn stimuliert verschiedene Netzwerke im Körper, was eine ganze Kaskade an Ereignissen auslöst. Adrenalin, andere Hormone und Neuropeptide werden ausgeschüttet, die wiederum Herz-Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen regulieren. So resultiert aus dem anfänglichen Reiz im Gehirn am Ende eine erhöhte Herz- oder Atemfrequenz oder die Ausschüttung von Glukose – eine prompte, auf die Bewältigung der Herausforderung abgestimmte Reaktion, die unserem Schutz dient.
Was aber passiert, wenn der Stress anhält? Hier spielt die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) eine zentrale Rolle, um die Stressreaktion aufrechtzuerhalten: Ausgehend von Hormonen aus dem Gehirn stimuliert dieser komplexe endokrinologische Regelkreis die Freisetzung von Glucocorticoiden wie Cortisol in der Nebenniere.
Der Name lässt es schon vermuten – sie haben eine wichtige Funktion im Glukose-Stoffwechsel. Die meisten unserer Organe und Gewebe im Körper besitzen Rezeptoren für diese Klasse von Steroidhormonen und sind damit an der Stressreaktion beteiligt. Ist die Anpassung an die Stresssituation erfolgt, sorgen sie normalerweise dafür, dass der Regelkreis zum Erliegen kommt.
Diese negative Rückkopplung kommt bei chronischem Stress jedoch nicht zum Tragen. Die Cortisolrezeptoren werden resistent, ähnlich wie wir das auch von der Insulinresistenz kennen. Folglich braucht es immer mehr Stresshormone für eine Reaktion, was langfristig zur Schädigung von Organen und Geweben oder zur Beeinträchtigung des Immunsystems führt (Q).
Die Folgen von chronischem Stress für das Gehirn können dann sogar makroskopisch sichtbar sein: Das Gehirnvolumen schrumpft und der Umbau neuronaler Strukturen zur Optimierung von Prozessen im Gehirn (Neuroplastizität) wird beeinträchtigt (Q, Q). Man könnte also salopp sagen: Stress macht dumm!
Rezeptoren für Stresshormone und -neuropeptide sind auch in Immunzellen weit verbreitet. Psychischer Stress kann deshalb ähnlich wie bei einer Infektion oder Gewebeschädigung die Zirkulation von Zytokinen und Biomarkern für Entzündungsprozesse erhöhen (Q). Von den Zytokinen geht ausserdem ein Feedback an das Gehirn, das zur weiteren Ausschüttung von Stresshormonen führt. Chronischer Stress kann so in einen Zustand chronischer Entzündung münden, der das Tor für eine Vielzahl an Erkrankungen öffnet (Q).
Chronischer Stress beeinflusst uns also nicht nur im Hier und Jetzt. Im Hintergrund laufen still und leise Prozesse ab, die uns irgendwann komplett aus der Bahn werfen könnten, wenn wir nicht rechtzeitig die Bremse einlegen. Doch was können wir tun, um es ja nicht so weit kommen zu lassen, dass chronischer Stress uns wertvolle Lebensqualität raubt oder noch schlimmer – uns bis zu Burnout, Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankung treibt?
Die eine Patentlösung zur Beruhigung des Nervensystems gibt es leider nicht. Dem einen kann es helfen, den Tagesablauf besser zu strukturieren und Entspannungspausen bewusst einzuplanen. Der andere muss im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Stress wegrennen und sich ordentlich auspowern oder Achtsamkeitsübungen in den Alltag integrieren.
Und auch die Basis sollte stimmen. Hast du ein soziales Umfeld, das dir Halt gibt und dich unterstützt oder fühlst du dich oft einsam? Hast du das Gefühl, Dinge in der Hand zu haben oder fühlst du dich machtlos und in deiner Autonomie eingeschränkt? Fühlst du eine Verbindung zur Natur?
Das Fazit lautet also: Wenn du das Gefühl hast, in der Dauerschleife von chronischem Stress zu hängen, ist es Zeit zu reflektieren. Du musst für dich einen Weg finden. Für die Lebensqualität im Hier und Jetzt, aber auch für die langfristige Gesundheit.