
Körperwissen
Dann ändere doch was
Dein Körper weiss instinktiv, welche Mikronährstoffe er braucht – doch Modediäten und verarbeitete Lebensmittel verwirren dieses Jahrmillionen alte System.

Körperwissen
Dein Körper weiss instinktiv, welche Mikronährstoffe er braucht – doch Modediäten und verarbeitete Lebensmittel verwirren dieses Jahrmillionen alte System.
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Im 2022 wurde eine neue Studie veröffentlicht, die in meinen Wissenschaftsmagazinen unter dem Titel «Der Mensch besitzt eine erstaunliche Ernährungsintelligenz» erschienen ist. An zwei Studien an 128 Erwachsenen wurde gezeigt, dass Menschen bestimmte Nahrungsmittelkombinationen wählen, die «ein Gleichgewicht verschiedener Mikronährstoffe bieten» und dass «Mahlzeiten so kombiniert werden, dass sie den Mikronährstoffgehalt erhöhen».
In den Beiträgen selbst ist doch tatsächlich die Rede davon, dass «die Ergebnisse unserer Studien von enormer Bedeutung und ziemlich überraschend sind. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert haben wir gezeigt, dass die Menschen bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel anspruchsvoller sind und offenbar nach bestimmten Mikronährstoffen auswählen, anstatt einfach alles zu essen und standardmässig zu bekommen, was sie brauchen.»
Gedanklich müssen wir uns zwischen Facepalm und Louis de Funès («Nein, doch, oh!») entscheiden. Denn manchmal fragt man sich, ob Wissenschaftler ausschliesslich Theoretiker sind oder ob einer von denen auch mal ... lebt, also in dem Fall einfach mal isst. Jedes Kleinkind, jeder Affe weiss, ohne es zu wissen, dass man nicht einfach so isst. Diese Erkenntnis ist weder besonders bedeutsam noch überraschend. Natürlich hat der Körper ein enormes, Jahrmillionen altes System, um seinen (Mikro-)Nährstoffbedarf gezielt zu decken. Das geht sogar weit über einzelne Mikronährstoffe hinaus. In dieser somatischen Intelligenz stecken mehrere Merkmale:
Es sind sicher noch einige Punkte zu ergänzen, die von diesem System abgedeckt werden. All das weiss unser Körper, ohne, dass wir es merken und oft ohne, dass wir überhaupt darüber Bescheid wissen. Man kann sich vorstellen, wie gross der Spagat teilweise sein muss, welche Bögen gespannt werden müssen, damit jeder Mensch für sich individuell, das heisst stoffwechselspezifisch, essen kann und darf.
Das ist auch genau der Grund, warum wir uns vehement gegen Restriktionen aussprechen. Beispiel Fleisch: Essen Menschen seit Millionen von Jahren – wird heute derart dämonisiert, dass man davon ausgehen kann, dass wir zukünftig direkt oder indirekt dazu gezwungen werden, immer noch weniger davon zu essen. Für einige, vielleicht für viele Menschen mit extrem fatalen Konsequenzen.
Das wird auch von den Autoren der Studie angesprochen: «Die Forschung wirft wichtige Fragen auf, insbesondere in der modernen Ernährungswelt. Stört zum Beispiel unsere kulturelle Fixierung auf Modediäten, die den Verzehr bestimmter Lebensmittel einschränken oder verbieten, diese Intelligenz der Ernährung auf eine Weise, die wir nicht verstehen?»
Und noch ein weiterer wichtiger Punkt wird zeitgleich angesprochen: «Studien haben gezeigt, dass Tiere den Geschmack als Orientierungshilfe für die benötigten Vitamine und Mineralien nutzen. Wenn der Geschmack beim Menschen eine ähnliche Rolle spielt, dann könnten wir Junkfood wie Kartoffelchips und kohlensäurehaltige Getränke durch die Zugabe von Aromastoffen einen falschen Glanz verleihen. Mit anderen Worten: Die Lebensmittelindustrie könnte unser Ernährungswissen gegen uns verwenden und uns dazu bringen, Lebensmittel zu essen, die wir normalerweise meiden würden, und so zur Fettleibigkeitsepidemie beitragen.»
Wir denken, dass die Forscher hier eine sehr gute Spur entdeckt haben. Wir verwirren unser Jahrmillionen altes Nutrient sensing. Beispielsweise durch unser Verhalten (selbstinduziert) oder durch Fakefoods (fremdinduziert). Ähnliches konnte man schon an Zoo-Gorillas beobachten, die plötzlich fit und gesund wurden, nachdem man aufgehört hat, sie mit Pellets vollzustopfen. Diese Story kennst du mittlerweile sicher, denn darüber berichten wir quasi jährlich immer wieder. Und auch moderne Forschungen von renommierten Instituten zeigen, dass «unverarbeitete Lebensmittel» einen dramatischen Einfluss darauf haben, wie viele Kalorien wir zu uns nehmen.
Wie dem auch sei: Somatische Intelligenz gibt es. Bewiesen.