Low carb gegen Typ-2-Diabetes
Manche Dinge altern ziemlich langsam ...
- Konservenessen ;-)
- Supercentenarians auf Sardinien
- Der Grönlandhai
- Low carb als neuen Therapieansatz bei Typ-2-Diabetes feiern
Denn obwohl Low carb schon seit bald Jahrzehnten vielversprechende Ansätze bei hohem Blutzucker – also bei (Prä-)Diabetes – zeigt, kommentieren Forscher die Erkenntnisse ihrer eigenen neuen Arbeiten zum Thema immer so, als hätten sie gerade den heiligen Gral gefunden.
So wird bei Sciencedaily [Quelle nicht mehr verfügbar] eine aktuelle Arbeit wie folgt kommentiert:
«Behandlungsstrategien, die dazu beitragen können, Glukoseschwankungen nach den Mahlzeiten und schnelle Glukoseschwankungen zu verringern, sind für die Behandlung dieser Erkrankung von entscheidender Bedeutung», fügt sie hinzu. «Wir haben festgestellt, dass wir hyperglykämische Schwankungen begrenzen können, wenn die erste Mahlzeit des Tages kohlenhydratarm ist und mehr Eiweiss und Fett enthält.»
Aha! Das ist also die aufregende Neuheit: Hat man Blutzuckerprobleme, sollte man also unbedingt die erste Mahlzeit des Tages protein- und fettreich essen. So die Erkenntnisse dieser neuen Studie, in der 121 Probanden mit Typ-2-Diabetes entweder mit einem kohlenhydratreichen oder einem kohlenhydratarmen Zmorgen – beide je 450 kcal – in den Tag starten sollten.
Das kohlenhydratarme Zmorgen war mit einer leichten Reduktion der Blutzuckerwerte verbunden, die Blutzucker-«Achterbahnen» fielen geringer aus und manche konnten sogar die Dosis ihrer Blutzuckermedikation verringern. Das Unschöne steht – wie immer – im Kleingedruckten:
«Dr. Oliveira stellt fest, dass es (...) keine signifikanten Unterschiede zwischen der kohlenhydratarmen und der anderen Gruppe in Bezug auf Gewicht, Body-Mass-Index oder Taillenumfang gab.»
Kurzum: Diese Low-carb-Zmorgen-Intervention ist für die Katz. Denn Typ-2-Diabetes heisst nicht umsonst Wohlstandsdiabetes – er entsteht nämlich vorrangig durch zu viel Körperfett bzw. einen zu dominanten Fettstoffwechsel, der dadurch entsteht, dass zu viel Energie in Form von (freien) Fettsäuren im Blut zirkulieren und so den Kohlenhydratstoffwechsel ausschalten (Stichwort Randle-Zyklus).
Es gibt für diesen Zustand genau zwei wesentliche Punkte:
- Wenn der Kohlenhydratstoffwechsel – warum auch immer – kaputt ist, wir also keine Kohlenhydrate verarbeiten können ohne krank zu werden (Hyperglykämien), sollte man einfach keine oder nur wenige essen. Ein Low-carb-Zmorgen alleine reicht nicht aus.
- Oberstes Ziel sollte die Normalisierung des Körpergewichts, genauer: der aktiven Fettmasse, allen voran des Viszeralfetts (Organfett) sein. Wie man das schafft, ist völlig egal. Fakt ist, dass ein Gewichtsverlust die Blutzuckerkontrolle – mit dann niedrigen Insulinspiegeln – vollständig wiederherstellen kann. Das hatten wir im Blog z. B. hier [Quelle nicht mehr verfügbar] thematisiert.
Diese beiden Eckpunkte eröffnen wiederum ein hübsches Feld an Möglichkeiten. So könnte man durch leichte Kohlenhydratreduktion ein Kaloriendefizit erzeugen, wodurch wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen würden – heisst: den Kohlenhydratstoffwechsel entlasten und überschüssiges Fett verbrennen.
Isst man hypokalorisch – das heisst im Energiedefizit –, verbrennt man Körperfett, weshalb z. B. auch eine stark kalorienreduzierte «Haferkur» [Quelle nicht mehr verfügbar] (also ohne Low carb) funktionieren kann. Allgemein sind stark kalorienreduzierte Diäten ein probates Heilmittel für Typ-2-Diabetes (vgl. Dambha-Miller et al. 2019 [Quelle nicht mehr verfügbar]).
All das sind aber keine neuen Erkenntnisse. Die besprechen wir in unserem Blog seit vielen, vielen Jahren rauf und runter. Umso verwunderter ist man, sind wir, dass sich Forscher noch immer im Kreis zu drehen scheinen.
Man kann Erkenntnisse mit vielen Forschungsgeldern natürlich immer und immer und immer wieder bestätigen und jedes Mal eine nette Laien-News dazu publizieren. Man kann aber auch einfach mal einen Punkt machen und sich für was anderes interessieren.
Genau so solltest du das auch sehen. Auch in anderen Themengebieten. Wie das funktioniert? Zum Beispiel: keinen x-ten SPIEGEL-Artikel über die «Vitamin-Lüge» lesen. Da. Steht. Nichts. Neues. Drin. Emotionalisiert bist du danach aber ganz gewiss.
Infobesity. Für die Stoffwechselerkrankung Typ-2-Diabetes gibt es bestimmt auch ein passendes psychologisches Pendant, für diejenigen, die sich mit minderwertigen Infokalorien vollstopfen. Umgekehrt erzeugt eine Infodiät oft einen berauschenden Seelenfrieden – psychische Gesundheit.
Sollte man wissen. Mehr zu diesen Themen wie immer [Quelle nicht mehr verfügbar].