Die blaue Pille gegen Alzheimer?
Unter einer erektilen Dysfunktion zu leiden, ist für betroffene Männer sicherlich kein Vergnügen. Im wahrsten Sinne des Wortes bleibt in solchem Fall nämlich das (sexuelle) Vergnügen oft aus. Es sei denn, man nimmt die bekannte blaue Pille zur Hilfe.
Viagra, oder besser gesagt dessen Wirkstoff Sildenafil, weitet die Gefässe des Schwellkörpers, was als Folge den Bluteinstrom erhöht und somit die Erektion verbessert. Einfacher Zusammenhang.
Doch was hat das mit der Leistungsfähigkeit unseres Gehirns zu tun?
Mehr Viagra, weniger Alzheimer
In einer interessanten Kohortenstudie, die erst letzte Woche erschien, hat man tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Viagra bei erektiler Dysfunktion und einem daraufhin geringeren Alzheimerrisiko dieser Männer festgestellt.¹
Dieser Effekt war von der Anzahl der Verschreibungen abhängig. Je öfter ein Mann Viagra verschrieben bekam, desto geringer war sein Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken.
Fun Fact: Ursprünglich wollte man mit Viagra gar nicht die Standfestigkeit verbessern, sondern es als Medikament gegen Bluthochdruck und Angina pectoris einsetzen. Aha – es geht also gar nicht nur um die Körpermitte, sondern um die Durchblutung des ganzen Körpers.
Die Durchblutung, die direkt von der Weitstellung unserer Gefässe abhängt, wird im Körper vor allem durch das Gas Stickstoffmonoxid reguliert. Für die Entdeckung und Beschreibung gab's 1998 den Nobelpreis für Medizin. Scheint also ganz schön wichtig zu sein.
Klingt kompliziert, aber bitte noch nicht abschalten.
NO macht cGMP macht gesundes Gehirn?
In unseren Veröffentlichungen kürzen wir Erklärungen zur Wirkung von NO meistens ab und sagen: NO wirkt. In Wahrheit aktiviert NO ein Signalmolekül, das cGMP. Das wirkt. Denn cGMP entspannt z. B. die glatte Muskulatur, die man in unseren Gefässen findet.
Erweiterte Gefässe bedeuten geringerer Blutdruck und bessere Durchblutung. cGMP wird natürlicherweise durch ein Enzym namens PDE abgebaut. Um die Wirkung von NO über cGMP und damit die Durchblutung also zu erhöhen, gibt man … PDE-Hemmer.
Viagra ist so ein PDE-Hemmer. Aha! Viagra hemmt nun also dieses Enzym (PDE), und somit hält der durchblutungsfördernde Effekt von NO länger an.
Doch nochmal zurück zur anfänglich erwähnten Studie. Zugegebenermaßen hat diese ein paar Limitationen, doch steckt hinter der Beobachtung ein plausibler Mechanismus.
Eine weitere Studie fand nämlich in der Gehirnflüssigkeit von Alzheimer-Patienten zum einen geringere cGMP-Level und zum anderen auch mehr PDE als bei gesunden Kontrollpersonen.²
Das könnte darauf hindeuten, dass zu wenig cGMP im Gehirn an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein könnte. Auch in Tierstudien fand man bereits gehirnschützende Effekte durch die Gabe von PDE-Hemmern.
Mehr NO ohne Viagra
Für uns heisst das also ganz konkret: NO fördert die Durchblutung des Gehirns und hat zudem zellschützende Wirkungen – vermittelt durch cGMP. Darum schützt Viagra möglicherweise das Gehirn. Doch der Punkt dieses Newsletters ist gar nicht Viagra…
Es gibt bessere Möglichkeiten, den cGMP-Spiegel und damit die Gefässgesundheit und Durchblutung natürlicherweise zu verbessern. Wir brauchen schlicht gute NO-Werte in den Gefässen. Wie man das bekommt, ist in unseren Veröffentlichungen seit vielen Jahren wichtiges Thema. Beispiele gefällig?
- Sport erhöht NO.
- Ein gesundes Körpergewicht erhöht NO.
- Vitamin D, Zink und Magnesium erhöhen NO.
- Eine gute Insulinwirkung erhöht NO.
- Arginin und Citrullin erhöhen NO.
Der letzte Punkt ist besonders entscheidend, denn aus Arginin – Citrullin ist die Vorstufe von Arginin – macht der Körper NO. Damit wir genug NO bilden können, brauchen wir genug von der Aminosäure Arginin (oder Citrullin).
Gewusst? Wassermelone enthält besonders viel Citrullin. Mit einer ganzen Melone kommst du auf stolze 5-10 g. Du kannst natürlich einfach eine Portion unseres Citrullin plus trinken, das eigens für solche Zwecke konzipiert wurde ;-)
Egal, wie du es letztendlich machst, kümmere dich um deinen NO-Stoffwechsel!
Quellen
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Adesuyan, M. et al. Phosphodiesterase Type 5 Inhibitors in Men With Erectile Dysfunction and the Risk of Alzheimer Disease. Neurology 102, e209131 (2024).
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Ugarte, A. et al. Decreased levels of guanosine 3', 5'-monophosphate (cGMP) in cerebrospinal fluid (CSF) are associated with cognitive decline and amyloid pathology in Alzheimer's disease. Neuropathol. Appl. Neurobiol. 41, 471–482 (2015).