«Gesund leben» hat, wie wir immer wieder erklären, viel mit Glauben zu tun. In der deutschen Sprache sind Glauben und Wissen immer ein bisschen gegenläufig.
Etwas besser trifft es daher das englische Wort «faith», das mehr eine Art tiefe Überzeugtheit beschreibt. Und genau diese Form des Glaubens meinen wir. Und das können wir auch begründen.
Nicht jetzt, aber später
Vieles, was uns moderne Menschen umbringt, passiert erst in vielen Jahrzehnten. Nehmen wir mal den Herzinfarkt als Beispiel. Prävention wäre das Gegengift. Beispielsweise durch Sport, durch eine bestimmte Ernährung und geschickte Ergänzung. Das hält die Arterien bei vielen Menschen fit.
Dass Sport und Ernährung in dieser Hinsicht wirken, dafür haben wir aber kein akutes Feedback, keine «Beweise», die uns jetzt sofort beeindrucken. Mehr verlassen wir uns hier auf wissenschaftliche Erkenntnisse und so weiter.
Sich also gesund zu ernähren und Sport zu treiben, setzt eine tiefe Überzeugung voraus, dass wir damit unser Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken können. Den Beweis dafür bekommen wir persönlich erst in vielen Jahren oder Jahrzehnten.
Die Heilkraft der Natur
Genauso ist es auch mit der Heilkraft der Natur. Wir wissen mittlerweile über die Bedeutung von Licht für unsere Gesundheit. Licht hält uns gesund, nicht nur über die Effekte auf das Gehirn und unsere Stimmung. Sonnenlicht selbst hat positive physiologische Wirkungen, nicht nur durch die Vitamin-D-Bildung.¹
Auch Kältexposition, z.B. das Baden im kalten See, stellt sich mehr und mehr als Heilmittel heraus. Erst vor wenigen Jahren erschien im renommierten Fachmagazin Cell Metabolism eine wissenschaftliche Arbeit, die zeigte, dass eine milde, regelmäßige Kältexposition ein Tiermodell der Multiplen Sklerose «deutlich bessert».²
Die Natur heilt also. Schon vor bald zwei Jahrzehnten konnten japanische Forscher der Nippon Medical School (Tokyo) eindrücklich zeigen, dass «Waldbaden», wie es heute so schön heißt, bestimmte Immunzellen stimuliert. Denn Waldluft enthält bestimmte chemische Substanzen, die offenbar eine positive physiologische Wirkung auf uns haben.³
Während vergleichsweise gut erforscht ist, dass der Anblick der Natur positive gesundheitliche Effekte auf uns hat, wollen Forscher nun mehr darüber herausfinden, wie die Natur-Luft auf uns wirkt. Denn schon «über den Geruchsweg können (anti-)entzündliche Ergebnisse» herbeigeführt werden.⁴
Erst zu Beginn dieses Jahres wurde eine weitere bemerkenswerte Studie der Texas A&M University veröffentlicht, die einen sogenannten NatureScore™ für Texas-Anwohner berechnete. Kurzum: Je verbundener das Leben mit der Natur der Anwohner vor Ort war, umso niedriger war die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und psychische Erkrankungen wie bipolare Störung.⁵
Und ganz aktuell zeigte eine Studie, dass eine einmonatige Indoor-Gartenarbeit die bakterielle Diversität der Haut erhöhte und eine anti-entzündliche Wirkung hatte. Denn: Bekannt sei, dass die zunehmende Urbanisierung dazu führe, dass wir «zu clean» leben, was Störungen des Immunsystems begünstige.⁶
Fürs Tun braucht's die tiefe Überzeugung
Jetzt kommt der Punkt: All das können wir nicht sehen oder hören oder sonst wie erfassen. Es wirkt einfach auf uns, Tag und Nacht. Hoffentlich zu unserem Vorteil. Dafür müssen wir aber meistens etwas tun.
Heißt: Natürlich können wir in der Stadt leben. Aber es ist anzunehmen, dass ein stressiges Stadtleben im Vergleich zum ruhigen Landleben für Menschen so ist wie für Tiere zum Beispiel die Massentierhaltung im Vergleich zum Leben auf der Weide … oder natürlich im Wald. An der «Massenmenschhaltung» scheint etwas dran zu sein.
Auch wenn wir uneingeschränkt dafür sind, dass Menschen sich aussuchen sollen, wo sie leben möchten, sollten wir Gesundheitsinteressierten uns immer wieder vor Augen führen, dass Gesunderhaltung viel mit tiefer Überzeugung zu tun hat.
Und diesbezüglich gilt: Die Natur scheint uns gesundzuhalten. Ein Merksatz. Da Glauben dem Tun, wie dargelegt, vorgelagert ist … gehen diejenigen, die jetzt überzeugt sind, mit Hund für eine Runde in den Wald ;-) Die anderen bleiben sitzen.
Quellen
- Van Der Rhee et al. 2016. Regular sun exposure benefits health. Medical Hypotheses 97, 34–37. https://doi.org/10.1016/j.mehy.2016.10.011
- Spiljar, M et al., 2021. Cold exposure protects from neuroinflammation through immunologic reprogramming. Cell Metabolism 33, 2231-2246.e8. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2021.10.002
- Li, Q. et al., 2007. Forest Bathing Enhances Human Natural Killer Activity and Expression of Anti-Cancer Proteins. Int J Immunopathol Pharmacol 20, 3–8. https://doi.org/10.1177/03946320070200S202
- Bratman, G.N. et al., 2024. Nature and human well-being: The olfactory pathway. Sci. Adv. 10, eadn3028. https://doi.org/10.1126/sciadv.adn3028
- Makram, O.M. et al., 2024. Nature and Mental Health in Urban Texas: A NatureScore-Based Study. IJERPH 21, 168. https://doi.org/10.3390/ijerph21020168
- Saarenpää, M. et al., 2024. Urban indoor gardening enhances immune regulation and diversifies skin microbiota — A placebo-controlled double-blinded intervention study. Environment International 187, 108705. https://doi.org/10.1016/j.envint.2024.108705