Forscher scheinen Fantasy und Science-Fiction zu mögen. Klappt da aber immer noch die Unterscheidung zwischen Science und Fiction?
So hat beispielsweise ein deutscher Gesundheitsminister – aber auch ein Herr Drosten – immer wieder seine Befürchtung geäussert, es könnte ein Virus auftauchen, das sich so schnell verbreite wie Omicron, aber so gefährlich sei wie Delta. Ja, klar. Im Reich der Fantasie ist das bestimmt möglich. Fakt ist, dass sämtliche Omicron-Subtypen, also die aktuell vorherrschende Coronavariante – milder im Verlauf wurden.
Die in Angstpsychose gebadeten Massen scheinen aktuell empfänglich für jede noch so absurde Idee. So will uns der «Corona-Experte» Jeremy Farrar (wer soll das überhaupt sein?), bekennender Maskenträger, «auf neue Pandemien einstimmen». Die Zeitung schreibt: «Farrars Schreckensszenario: Eine Kreuzung von Influenza – hoch ansteckend – mit H5N1 (Vogelgrippe), extrem tödlich.»
Natürlich wolle er damit keine Angst verbreiten, sondern realistisch «aufklären». Behauptet er.
Dabei sollte doch jedem einleuchten, dass aus einer Kreuzung zwischen Usain Bolt und Eliud Kipchoge kein Übermensch entsteht, der den Marathon plötzlich sprinten kann – dafür gibt's in der Biologie den Begriff Trade-off. Es wird vielleicht eine Mischung entstehen, die gut gemacht für einen 800-m-Lauf ist. Aber über was sprechen wir da? Denn selbst wenn eine solche Kreuzung einen Menschen hervorbringen sollte, der enormes sportliches Potenzial geerbt hat, heisst es noch lange nicht, dass die jeweiligen Umweltfaktoren – die nötig dafür sind, dass er überhaupt ein Weltklasse-Athlet wird – auch gegeben sind.
Heisst: Selbst wenn es eine Kreuzung bzw. eine Rekombination aus ganz bösen Viren mit verschiedenen Eigenschaften gäbe, hiess es nicht, dass am Ende überhaupt ein superböses Virus entsteht, das sich dann auch noch durchsetzt und die ganze Weltbevölkerung ausrottet.
Wie kann man als Biologie oder als Fachperson überhaupt sowas von sich geben? Unverantwortlich. Manchmal wünscht man sich, es wäre bei einer stinknormalen Tageszeitung in Printform geblieben. Da überlegen sich Journalisten zweimal, was sie abdrucken. Und, man wünscht sich so oft, Wissenschaftler würden ihrer Aufgabe im Labor nachkommen, statt die Massen von ihrer Kompetenz via Twitter überzeugen zu wollen.
Denn an eine Sache wollen wir erinnern: Wer über diese Kanäle täglich solche Schreckensszenarien postet oder (halbgare) «wissenschaftliche Erkenntnisse» (die sich morgen wieder ändern), die ein Laie, also 97,5 % der Menschen, die das lesen, gar nicht einordnen kann, der erzeugt Angst, ja Angststörungen – Folge sind ganz konkret auch somatoforme Störungen, Stichwort Psychoneuroimmunologie.
Es ist daher schon auch ein bisschen ein Paradox unserer Zeit, dass man Menschen über genau jene Kanäle «schützen» will, mit denen man sie im Grossteil der Zeit eigentlich krank macht. Wir wollen gar nicht wissen, wie stark das kollektive Immunsystem in den letzten zwei, drei Jahren dank dieser Form der Kommunikation – um nicht zu sagen Psychoterror – gelitten hat.
Dies ist besonders makaber vor dem Hintergrund, dass kurz vor dem Beginn der Pandemie eine Arbeit zu genau diesem Thema publiziert wurde, die direkt mit folgenden Worten beginnt:
Die Forschung der letzten drei bis vier Jahrzehnte hat eindeutig ergeben, dass psychischer Stress klinisch relevante Ergebnisse des Immunsystems beeinflusst, darunter Entzündungsprozesse, Wundheilung und Reaktionen auf Infektionserreger und andere Herausforderungen des Immunsystems (z. B. Impfungen, Autoimmunität, Krebs).
Unseren ach so schlauen Meinungsmachern offenbar nicht bekannt – oder völlig egal. Todbringend.