Kollagenpulver haben einen steilen Aufstieg hinter sich.
Glycin ist essentiell
Noch vor zehn, fünfzehn Jahren galt Kollagen als minderwertiges Protein, das aus Schlachtabfällen gewonnen wird. Man achte auf das Wording.
Doch schon damals hat die Forschung etwas ganz Anderes gezeigt: Kollagen ist das einzige Nahrungsprotein, das sehr reich an den seltenen Aminosäuren Glycin und (Hydroxy-)Prolin ist.
Glycin und (Hydroxy-)Prolin sind zeitgleich auch die wichtigsten Bestandteile unseres körpereigenen Kollagens. Bis dahin galt die Devise: Beides sind s. g. nicht-essentielle Aminosäuren und können vom Körper ausreichend selbst gebildet werden.
Zu kurz gedacht: Eine biochemische Kalkulation des «Instituto del Metabolismo Celular» (Teneriffa), veröffentlicht in einem Fachmagazin, zeigte 2009, dass der Körper die ausreichenden Glycin-Mengen eben nicht selbst bilden kann:
«Glycin muss also als essentielle Aminosäure betrachtet werden, da die Kapazität seiner Synthese viel geringer ist als sein tatsächlicher Bedarf. Wir haben auch gezeigt, dass dieser Mangel nicht durch eine normale Ernährung gedeckt wird (...)»
Fehlbetrag: Bis zu 10 g pro Tag. (vgl. [Quelle nicht mehr verfügbar])
Es könnte für unser körpereigenes Kollagen eine gute Idee sein, mehr Glycin aufzunehmen – zum Beispiel über Kollagenpulver. Mittlerweile, also Jahre später, gibt es viele Reviews und Meta-Analysen zu diesem Thema, die zeigen, dass Kollagen diese Zwecke erfüllt.
So schreibt [Quelle nicht mehr verfügbar]:
«Vorläufige Ergebnisse sind vielversprechend für die kurz- und langfristige Verwendung von oralen Kollagenpräparaten zur Wundheilung und Hautalterung. Orale Kollagenpräparate erhöhen auch die Elastizität der Haut, den Feuchtigkeitsgehalt und die Kollagendichte der Haut.»
Selbstredend.
Doch was macht man, wenn man kein Kollagen mag oder gar Vegetarier bzw. Veganer ist? Reicht es, Glycin und Prolin einzeln einzunehmen?
Gleich vorab: Ja, Glycin zusätzlich einzunehmen ist besser als zu wenig Glycin in der Nahrung zu haben. Darüber freut sich nicht nur das körpereigene Kollagen, also unser Strukturprotein, sondern auch [Quelle nicht mehr verfügbar].
Studie klärt das kleine Kollagengeheimnis
Doch zu Kollagen gibt es ein kleines Geheimnis: Wer Kollagenprotein zu sich nimmt, nimmt automatisch Kollagenpeptide auf. Das sind kurze Proteinschnipsel, die entweder bei der enzymatischen Verarbeitung oder im Darm bei der Verdauung entstehen.
Man spricht von Hydrolyse und damit -Hydrolysat. Und genau diese kleinen Peptide haben eine eigene biologische Wirkung – daher nennt man sie bioaktive Peptide.
[Quelle nicht mehr verfügbar] konnte in einer Arbeit geklärt werden, wie genau die wirken. Man höre und staune:
«Das kleine Kollagenpeptid Pro-Hyp ist ein niedermolekularer wachstumsfördernder Faktor für Fibroblasten und spielt eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung, indem es die Proliferation von Fibroblasten auslöst»
Der Reihe nach: Pro-Hyp ist ein solches Peptid, das aus Prolin und Hydroxyprolin besteht. Die Forscher identifizieren zwar mindestens zwölf weitere Kollagenpeptide – viele enthalten Glycin –, in ihrer Arbeit konzentrieren sie sich aber auf Pro-Hyp, das kein Glycin enthält.
Dieses Pro-Hyp entsteht in grösseren Mengen sowohl bei der Verdauung von Kollagenproteinen als auch in der Nähe von Wunden. Die Forscher konnten zeigen, dass dieses Peptid als Wachstumsfaktor fungiert, indem es an einen bestimmten Rezeptor bindet, der auf Fibroblasten sitzt.
Fibroblasten sind kollagenbildende Zellen, die man z. B. in der Haut findet. Die werden bei Verletzungen – also bei der Wundbildung – «wachgeküsst», teilen und vermehren sich so (Proliferation), und bilden dann viel Kollagen, damit die Wunde verheilt.
Das Kollagenpeptid Pro-Hyp küsst die Fibroblasten also wach und kurbelt dadurch die Kollagenproduktion an. Das funktioniert vor Ort lokal, wenn Kollagenstränge durch die Wunde reissen und die Peptide entstehen, oder ... durch Kollagenzufuhr. Die Autoren schreiben:
«Endogenes und aus der Nahrung stammendes Pro-Hyp kann die Wundheilung verbessern, indem es das Wachstum von Fibroblasten an der Wundheilungsstelle ohne nachteilige Auswirkungen auf gesundes Gewebe stimuliert (...)»
Intaktes Kollagen ist besser
Sensationell. Heisst für uns: Kollagen hat Eigenschaften, die man eben nicht durch die einfache Zufuhr von z. B. Glycin und Prolin ersetzen kann.
Daher empfehlen wir grundsätzlich intaktes Kollagenhydrolysat. Nichtsdestotrotz versuchen wir Kundenwünsche zu realisieren und bemühen uns daher auch, in naher Zukunft ein kollagenfreies – und damit veganes – «Kollagenmimetikum» anbieten zu können.
Das wird jedoch nur einzelne Aminosäuren enthalten. By the way: Die Industrie ist schon fleissig dabei, kollagene Eiweisse ohne Tierbeteiligung zu entwickeln. Es ist also anzunehmen, dass es bald echtes, «veganes» Kollagen geben wird.
Wir bleiben dran.