In den vergangenen Jahren haben wir gezwungenermaassen viel über unser Immunsystem gelernt.
Das Immunsystem 1x1
Selbst Menschen, die sich bis dahin nie wirklich damit befasst haben, kennen mittlerweile mindestens Antikörper und T-Zellen.
Beide Komponenten sind Teil des adaptiven, spezifischen Immunsystems. Im Kern besteht unser Immunsystem nämlich aus zwei grossen Teilen: Dem angeborenen, unspezifischen Immunsystem und dem adaptiven, spezifischen Immunsystem, wozu auch Antikörper und T-Zellen gehören.
Letzteres kommt bei einem Infekt erst nach einigen Tagen in Gang. Denn der adaptive Teil des Immunsystems – T-Zellen, Antikörper – muss erst lernen, welcher Erreger uns infiziert hat. Erst dann bilden sich spezialisierte Abwehrreaktionen darauf, die sehr genau und sehr effizient den Erreger beseitigen.
Bis dahin hat uns hoffentlich unser angeborenes Immunsystem geschützt. Die hier entscheidenden Immunzellen sind die Neutrophilen (neutrophile Granulozyten). Sie machen die Hälfte bis zwei Drittel aller Leukozyten im Blut aus – das soll was heissen.
Das sind Neutrophile
Über die haben wir in den vergangenen Jahren reichlich wenig gelernt. Dabei kann unser Immunsystem z. B. grössere Virenmengen ohne Granulozyten gar nicht los werden. Denn: T-Zellen beseitigen lediglich befallene Zellen. Und Antikörper blockieren die Wirkung von Viren.
Beide Komponenten wären heillos überfordert, wenn es keine Immunzellen gäbe, die die Schwerstarbeit verrichten: Viren und Co. in der Masse zu vernichten. Denn hat uns erst mal eine etwas schwerere Infektion erwischt, reicht es nicht (mehr) das Virus in seiner Funktion zu blockieren oder nur befallene Zellen zu töten.
Hier braucht es eine «Waffe», die das Virus in der Menge einstampft und die Ausbreitung verhindert. Genau das bewerkstelligen Neutrophile. Sie sind quasi von Tag eins bis zum Ende der Infektion an der s. g. viral clearance beteiligt und sind daher essentiell dafür, dass wir Infektionen schnell und nachhaltig ausheilen.
Superwaffen der Neutrophilen
Neutrophile verfügen über Eigenschaften, die andere Immunzellen so nicht haben:
- Sie spannen «Netze» ausserhalb der Zelle und können Viren und Co. auf diese Weise einfangen – absolut einzigartig!
- Sie können Pathogene durch gezielte Ausschüttung von bestimmten Proteinen «bombardieren» oder sich damit tief in Gewebe einfressen, um dort Pathogene zu vernichten, wo andere Immunzellen sonst gar nicht hinkommen.
- Sie verfügen über einen Mechanismus, der sich Oxidative Burst nennt – hierbei werden Viren und Co. vom Neutrophil geschluckt und mit aktiv gebildeten, eigentlich schädlichen Sauerstoffradikalen und hypochloriger Säure zerstört.
Da ein Neutrophil hundertfach grösser ist als ein Virus und immer noch deutlich grösser als ein herkömmliches Bakterium, sind sie enorm effektiv darin, erhebliche Pathogenmengen in kurzer Zeit zu vernichten oder unschädlich zu machen.
Neutrophile und Kaffee
In den Medien oder auf Twitter haben wir von diesen Wunderzellen hingegen lange nicht gehört. In den Corona-Studien schon: Denn die konnten zeigen, dass die eingeschränkte Neutrophilenfunktion massgeblich daran beteiligt war, dass Menschen schwer krank wurden – Stichwort Zytokinsturm und so weiter.
Umgekehrt: Wie so oft haben wir Einfluss auf die Funktion dieser Wunderwaffe. Im aktuellen Blogbeitrag besprechen wir beispielsweise, wie Kaffee die Funktion der Granulozyten hemmen kann – und darüber, welches Vitamin in Hochdosen die Menge und Funktion der Granulozyten erheblich steigert.
Wohlgemerkt: Das sind lediglich zwei Faktoren. Du kannst natürlich davon ausgehen, dass viele Lebensstilfaktoren die Funktion der Neutrophilen beeinflussen – und damit, wie schlagkräftig unser Immunsystem ist. Es gibt da zum Beispiel auch die eine oder andere Studie zu Vitamin D ;-) Wen wundert's?