
Immunsystem
Gute Antikörper, schlechte Antikörper
Warum das Immunsystem ein Gleichgewicht braucht und wie Fasten-ähnliche Ernährung Autoimmunzellen reduzieren kann.

Immunsystem
Warum das Immunsystem ein Gleichgewicht braucht und wie Fasten-ähnliche Ernährung Autoimmunzellen reduzieren kann.
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Vieles im Leben hat zwei Seiten. Ist ja auch logisch, denn Eigenschaften, die in einem bestimmten Setting gut sind, funktionieren, können in einem anderen Setting total destruktiv sein. So muss die Natur bzw. die Evolution immer den Spagat schaffen.
Mit Blick auf das Immunsystem ist klar, dass wir ein aggressives, waches Immunsystem brauchen, um nicht oder nicht oft krank zu werden. Gleichzeitig darf es aber auch nicht zu «stark» sein, denn es braucht ein bestimmtes Level an Toleranz. Ein hyperaktives, super-destruktives Immunsystem, das am Ende allenfalls noch eigene Strukturen angreift und zerstört (Autoimmunität) braucht nun auch niemand.
Der Körper sorgt jedoch vor und hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, Immunreaktionen nicht nur massiv anzuheizen, sondern auch geschickt zu bremsen – darüber hinaus gibt es starke Kontrollsysteme im Körper, die Immunzellen und Antikörper aussortieren, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. Eigentlich eine sichere Sache, könnte man meinen.
Leider ist auch das perfekteste System meistens nicht fehlerfrei. Das wissen viele von uns, denn viele zeigen ein bestimmtes Level an Autoimmunität. Andere wiederum können keinen Apfel essen. Wieder andere sind fünfmal im Jahr grippekrank. Bleiben wir mal bei der Autoimmunität. Die ist enorm komplex. Fakt ist: Antikörper bzw. Immunzellen müssen die Toleranz gegen eigenes Körpergewebe aushebeln. Das ist gar nicht so einfach, kann aber passieren. Als Folge glaubt der Körper, körpereigene Strukturen seien der Feind.
Beispiele für solche Erkrankungen sind…
Ganz aktuell wurde anhand von (nur) 30 Covid-Patienten gezeigt, dass stark übergewichtige Menschen nach einer Covid-Infektion einfach mal gar keine neutralisierenden Antikörper gegen SARS-CoV-2 bilden. Im Gegensatz dazu wurde beobachtet, dass sie mehr sogenannte Autoantikörper bildeten, also Antikörper gegen körpereigene Strukturen. Fairerweise muss man ergänzen, dass so etwas auch schon bei nicht übergewichtigen Covid-Patienten beobachtet wurde und andere Studien zu anderen Schlüssen kommen. Jedenfalls schreibt die aktuelle Studie:
«Bei der aktuellen Pandemie hat sich gezeigt, dass Serumproben von erwachsenen COVID-19-Patienten Antikörper enthalten, die sich gegen das Gewebe der infizierten Patienten richten, anstatt gegen das krankheitsverursachende Virus.»
Glücklicherweise besteht Hoffnung. Nicht nur für Covid-betroffene Patienten, die jetzt mit ein paar Autoantikörpern durch die Gegend laufen, sondern auch für Menschen, die generell Autoimmunität aufweisen. Die Hoffnung kommt von Valter Longo, im Grunde ein renommierter Altersforscher. Der hat vor mittlerweile fünf Jahren bewiesen, dass sich das Immunsystem durch geschickte Manipulation der Nahrung umprogrammieren lässt.
Genau genommen geht es – wie immer – um die beiden zellulären Energiesensoren mTOR und AMPK. mTOR wird bei Überfluss aktiv, AMPK bei Kalorien- bzw. Energiemangel der Zellen. Longo zeigt, dass man durch zyklisches Fasten bzw. eine Fasten-ähnliche Ernährung (= wenig Kalorien, wenig Protein für bestimmte Zeitintervalle) mTOR unterdrückt und AMPK aktiviert. Damit werden beispielsweise T-Zellen getötet, die körpereigenes Gewebe angreifen. Umgekehrt werden neue Immunzellen aktiv, sogenannte Treg-Zellen, die Toleranz gegenüber Körpergewebe herstellen.
Soll ganz konkret heissen: Über die Ernährung lässt sich ein Selbstreinigungsprozess aktivieren, der dafür sorgt, dass auch das Immunsystem wieder heilen und sich neu programmieren kann. Im Grunde bedeutet dies nichts anderes, als dass sich der Körper ständig erneuern kann, wenn man ihn nur lässt. Autoimmunität muss also nicht sein. Autoimmunzellen kann man absterben lassen.
Doch Vorsicht: In der Studie steht ausdrücklich, dass «es der Wechsel von Fasten und erneuter Fütterung ist und nicht die Fasten-Zyklen allein, was die Regeneration und den Ersatz von Autoimmunzellen durch naive Zellen fördert.» Dadurch sei das chronische Fasten, Runterhungern oder die chronische Anwendung einer ketogenen Ernährung (!!!) nicht oder deutlich weniger wirksam. Es geht also ganz konkret um Zyklen. Und genau die sind bei unserer westlichen Lebensweise oft drastisch verschoben – eben in die falsche Richtung.
Und wieder einmal haben wir gelernt, dass der Lebensstil mächtiger ist als wir denken. PS: Du weisst immer noch nicht, was AMPK und mTOR sind? Dann wird's Zeit, dass du mal unser Buch liest.