
Mikronährstoffe
Neues zu Cholin
Cholin ist ein essentieller Mikronährstoff, den viele Menschen zu wenig aufnehmen. Neue Forschungen zeigen seine wichtige Rolle für Gehirn, Immunsystem und Gefässgesundheit.

Mikronährstoffe
Cholin ist ein essentieller Mikronährstoff, den viele Menschen zu wenig aufnehmen. Neue Forschungen zeigen seine wichtige Rolle für Gehirn, Immunsystem und Gefässgesundheit.
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Cholin ist ein edubily-Darling.
Das hat zwei banale Gründe: Erstens, es ist ein immens wichtiger Mikronährstoff. Zweitens, viele Menschen nehmen zu wenig davon auf.
Cholin ist ein wichtiger Bestandteil unserer Zellmembranen. Dort ist es Bestandteil des «hydrophilen» Köpfchens der Phospholipide und bestimmt so über die Funktionsfähigkeit unserer Zellmembranen.
Logischerweise gilt das auch für die Membranen unserer «Kraftwerke» in den Zellen, den Mitochondrien. Auch dort spielt Cholin eine massgebliche Rolle.
Kurzum: Damit unsere Membranen ordentlich funktionieren – hier findet der Stoffaustausch statt! –, braucht es Cholin. Daher merke: Cholin, als s. g. Phosphatidylcholin, ist essentieller Bestandteil all unserer Membranen.
Aus diesem Grund wurde Cholin vor allem in der Tiermedizin prominent: Ein Cholinmangel macht eine Fettleber. Denn damit Fette überhaupt die Leber verlassen können, brauchen sie ein Hüllchen aus Phospholipiden. Ohne Cholin, wenig Phospholipide, wenig Fettabtransport.
In Versuchen konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass Cholin den Fettstoffwechsel allgemein reguliert. Es stimuliert z. B. die Fettoxidation in den Mitochondrien. Daher gilt Cholin als lipotroper Nährstoff.
Fehlt den Geweben Cholin, kommt es aus den aufgezählten Gründen sogar zu «Gewebefunktionsstörungen» [Quelle nicht mehr verfügbar]. Speziell im Muskel. Daher wurde im Fachmagazin Nutrients 2020 eine vielbeachtete Arbeit publiziert, die titelt, dass Cholin «ein essentieller Nährstoff für den Muskel» sei [Quelle nicht mehr verfügbar].
Ausserdem ist Cholin Bestandteil des wichtigsten Neurotransmitters des Körpers, Acetylcholin. Acetylcholin wird z. B. benötigt, damit Nerven mit unseren Muskeln kommunizieren können. Im Gehirn ist Acetylcholin wichtig für die neuronale Entwicklung und unser Gedächtnis.
Wie bereits oft in unseren Arbeiten erwähnt, können wir annehmen, dass wir in westlichen Nationen zu wenig davon aufnehmen. Cholin kommt vornehmlich in hochwertigen Tierprodukten vor. Die besten Quellen sind Eier, Fleisch, insbesondere Leber.
Wer sich «pflanzenbasiert» mit wenigen Tierprodukten ernährt, hat als einzige nennenswerte Quelle nur Sonnenblumen- oder Sojalecithin.
Traditionelle Kost (Eier, Leber und Co.) werden immer stärker durch cholinarme Pflanzenprodukte ersetzt, was die Cholinzufuhr allgemein schmälert.
In der Fachzeitschrift British Journal of Nutrition wurde 2015 eine Studie veröffentlicht, die die Cholinversorgung der europäischen Populationen untersuchte. Mit dem Resultat: «In den meisten der betrachteten Bevölkerungsgruppen lag die durchschnittliche Cholinaufnahme unter der angemessenen Zufuhr (AI).»
Die wurde von der EFSA, also von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, auf 400 mg/Tag für Erwachsene festgelegt, wobei insbesondere Schwangere einen Mehrbedarf haben – sie brauchen 480 mg/Tag.
Die Arbeitsgruppe von Martin Smollich, Uni Lübeck, hat dazu geforscht und erst 2022 eine Arbeit publiziert, die die Erkenntnisse bestätigt: Die Hälfte aller Frauen nahm nur etwa die Hälfte der empfohlenen Cholinzufuhr zu sich (260 mg) und nur 7 % waren überhaupt adäquat versorgt.
Auch hier zeigte sich, dass mischköstlich ernährte Frauen «signifikant mehr Cholin zu sich nehmen als vegetarisch bzw. vegan lebende Frauen» – knapp 70 mg pro Tag mehr.
Cholin ist von hoher Bedeutung für die neuronale Entwicklung des Fötus. Diese schlechte Cholinversorgung in der Schweiz ist daher fahrlässig zu erachten. Sie ist leider ein weiteres Beispiel für den hiesigen Irrglauben, dass die Nährstoffzufuhr hierzulande ausreicht.
Erst 2022 wurden weitere, neue Aufgaben von Acetylcholin im Körper beschrieben. Es wurde gezeigt, dass B-Zellen – also Antikörper-produzierende Immunzellen – im Knochenmark Acetylcholin produzieren, was die Produktion von Immunzellen drosselt und als Folge vor Entzündungen in Herz und Blutgefässen schützt. [Quelle nicht mehr verfügbar]
Acetylcholin wird hier also von bestimmten Immunzellen – den B-Zellen – zum Justieren der Produktion von Leukozyten – sämtliche Immunzellen – genutzt, um schädliche Entzündungsreaktionen zu minimieren. Acetylcholin wirkt damit anti-entzündlich.
Doch das ist nicht alles. Schon 2019 konnte gezeigt werden, dass T-Zellen, also der kongeniale Partner von B-Zellen, beides Bestandteile der «spezifischen Immunität», auch Acetylcholin produzieren.
Sie produzieren es allerdings, um Viren zu bekämpfen. Forscher zeigten, dass die Acetylcholin-Produktion bei viralen Infektionen massiv ansteigt. Erst das ermöglicht das «Weitstellen» der Arterien und das «Wandern» von T-Zellen in infizierte Gewebe. [Quelle nicht mehr verfügbar]
Schon viele Jahre ist bekannt, dass Acetylcholin die Arterien weitstellt. Daher kann man die Gefässfunktion in Experimenten durch Acetylcholin-Infusionen untersuchen.
Gesunde Gefässe reagieren bei Acetylcholin-Infusion eben mit ... Weitstellung. Kranke Gefässe können das so nicht mehr gut. Acetylcholin induziert in gesunden Gefässen nämlich eine gesteigerte Bildung von Stickstoffmonoxid (kurz NO), das Gefässgas.
NO mal wieder. Oft lebensentscheidend. Können Immunzellen über die Produktion von Acetylcholin und damit NO auch die Gefässe schützen?
In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler, wie die Fähigkeit zur Bildung von Acetylcholin in T-Zellen das Überleben von schwer kranken Langzeitpatienten beeinflusste. Tatsächlich korrelierte die Fähigkeit zur Bildung von Acetylcholin in T-Zellen stark mit dem Überleben.
Heisst, Patienten, die mehr Acetylcholin in T-Zellen bildeten, überlebten eher. Warum? Weil die Durchblutung in kritisch kranken Intensivpatienten oft entscheidend ist. Stichwort Sepsis und unzureichende Organdurchblutung.
Die Forscher folgern, dass T-Zellen, die Acetylcholin produzieren, eine schützende Wirkung auf die Gefässe haben, indem sie vermehrt NO freisetzen. Das wiederum verbessert den Blutfluss und damit den Sauerstofftransport.
Ausserdem hemmt NO Entzündungen, was einen zusätzlichen Schutzfaktor darstellt.
Vielen Menschen in der Schweiz ist nicht klar, dass «Vitamine» eine Lebensversicherung sind. Eine Multivitamin-Kapsel ist eine Langzeitvorsorge. Ähnliches gilt für viele weitere Mikronährstoffe, hier Cholin.
Cholin muss man essen. Ein grosses Ei liefert bereits 150 mg des so wertvollen Stoffes. Für uns Normalos sind Eier die beste Quelle. Glücklicherweise kann man heutzutage eine Vielzahl an Ersatzprodukten nutzen.
Zum Beispiel Soja- oder Sonnenblumenlecithin. Zum Beispiel unser eigenes Pure CDP-Cholin, das eine herausragende Bioverfügbarkeit zeigt.
Cholin ist – wie hier gezeigt – nicht nur wichtig für das noch ungeborene oder junge Leben. Auch für gesunde Erwachsene ist Cholin essentiell und im Alter oder im Notfall kann Cholin sogar über Leben und Tod entscheiden.
Sollte man wissen, nicht wahr?