
Vitamine
Nimmst du genug Folat auf?
Folat und Folsäure sind nicht das Gleiche, und ohne B12 und andere B-Vitamine kann dein Körper diese Nährstoffe nicht richtig verwerten.

Vitamine
Folat und Folsäure sind nicht das Gleiche, und ohne B12 und andere B-Vitamine kann dein Körper diese Nährstoffe nicht richtig verwerten.
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Dass Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist, hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört. Aber kennst du den Unterschied zwischen Folsäure und Folat und weisst du warum die anderen B-Vitamine auch eine grosse Rolle spielen? Wir klären auf!
Folat, Folsäure, Folatäquivalent - alles das Gleiche?
Nein, hier gibt es ein paar feine Unterschiede:
Folat: Das beschreibt das Nahrungsfolat, das in Lebensmitteln natürlicherweise vorkommt.
Folsäure: Das ist die synthetische Form in Nahrungsergänzungsmitteln oder zugesetzt in Lebensmitteln.
Folatäquivalent: Da die beiden Formen eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit haben, wird die Menge in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln oft als Folatäquivalent (FÄ) angegeben. Dabei gilt: 1 µg FÄ = 1 µg Nahrungsfolat oder 0,5 Mikrogramm Folsäure (bei Zufuhr auf nüchternen Magen)
Welche Rolle spielen die anderen B-Vitamine?
Folsäure muss nach der Aufnahme in der Leber erst in die aktiven Formen 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) und anschliessend Tetrahydrofolat (THF) umgewandelt werden, damit sie für die DNA Synthese verwendet werden kann. Für diese Umwandlung werden die anderen B-Vitamine B2, B3, B6 und B12 benötigt.
Speziell ohne B12 kann die Umwandlung von 5-MTHF zu THF nicht stattfinden und es sammelt sich eine zu grosse Menge von 5-MTHF an. Dieser Zustand wird auch «Folate trap» (dt. Folat-Falle) genannt.
Denn: Die Versorgung mit Folsäure ist eigentlich ausreichend, aber durch den B12-Mangel kann die vorhandene Folsäure nicht genutzt werden und es kommt somit zu den Symptomen eines Folsäuremangels.
Wenn du also reichlich dunkelgrünes Blattgemüse isst und denkst, du bist damit optimal mit Folat versorgt, kannst du trotzdem eine Unterversorgung haben, falls du gar keine tierischen Produkte aufnimmst und auch kein B12 Supplement zu dir nimmst.
Wichtig zu wissen:
Rund 30–50 % der Europäerinnen und Europäer haben genetische Varianten (z. B. MTHFR C677T oder A1298C), die die Umwandlung von Folsäure und Nahrungsfolat in das biologisch aktive 5-MTHF beeinträchtigen. Das bedeutet, nicht jeder ist in der Lage, das aufgenommene Folat und die Folsäure auch wirklich im Körper zu verwerten.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die synthetische Folsäure sich unter hohen Dosen anreichern und ggf. toxische Effekte aufweisen kann. Aus den genannten Gründen kann es sich lohnen, direkt das harmlose 5-MTHF einzunehmen.
Warum Folsäure einnehmen?
Der Folatbedarf verdoppelt sich fast in der Schwangerschaft, deshalb sollte möglichst schon einige Monate vor der Empfängnis eine folatreiche Ernährung und ein Nahrungsergänzungsmittel mit 400 µg integriert werden. Wenn später als einen Monat vor der Zeugung mit der Folsäure Supplementierung begonnen wird, sollte eine erhöhte Dosis von 800 µg eingenommen werden (Koletzko et al., 2018).
Denn: Folat ist für das normale Zellwachstum in der Schwangerschaft wichtig.
Durch die ausreichende Folsäureversorgung sinkt das Risiko für den Neuralrohrdefekt um mehr als 70 % (Obican et al., 2010)!
Diese Fehlbildung an der Wirbelsäule entsteht, wenn sich das Neuralrohr während der frühen fetalen Entwicklung nicht richtig schliesst.
Das Problem: Der Verschluss des Neuralrohrs findet zwischen dem 29. und 30. Embryonaltag statt. Zu diesem Zeitpunkt wissen einige Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind.
Deep Dive
Was hat Homocystein damit zu tun?
Bei Müttern von Kindern mit Neuralrohrdefekt werden oft erhöhte Mengen an Homocystein gemessen. Homocystein ist eine Aminosäure in unserem Körper, die, wenn sie zu viel wird, zu Zellschäden führen kann. In regulierten Mengen hat sie aber durchaus eine Daseinsberechtigung und unterstützt die Bildung anderer Aminosäuren.
Vitamine, die dabei helfen, die Menge an Homocystein zu regulieren, sind neben Folsäure auch die Vitamine B2, B3, B6, B12 und weitere Stoffe wie Cholin, Betain. Sie tragen alle zum Um- und Abbau von Homocystein bei.
Was Folsäure sonst noch kann?
Eine aktuelle Studie mit 2'000 kanadischen Frauen zeigte, dass eine gute Folsäureversorgung während der Schwangerschaft die neurotoxischen Auswirkungen einer Bleibelastung auf das Gehirn des Kindes verringern kann.
Die Forscher stellten dabei fest, dass der Zusammenhang zwischen Bleikonzentrationen im Blut und Autismus-ähnlichem Verhalten der Kinder in den ersten Lebensjahren stärker war, wenn die Mütter während der Schwangerschaft weniger als 400 µg Folsäure einnahmen (Alampi et al., 2024).
Dieses Ergebnis verdeutlicht die Bedeutung von Folsäure auf die Gehirnentwicklung von Kindern. Also auch wenn die Kinderplanung noch etwas in der Ferne liegt, macht es durchaus Sinn, jetzt schon Folsäure einzunehmen ;-)