
Mineralien
Passt dein Selen-Spiegel?
Viele Menschen in der Schweiz haben suboptimale Selenspiegel – mit Folgen für Schilddrüse, Immunsystem und Fruchtbarkeit. Wie du das erkennst und warum moderne Ernährung oft nicht ausreicht.

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Viele Menschen in der Schweiz haben suboptimale Selenspiegel – mit Folgen für Schilddrüse, Immunsystem und Fruchtbarkeit. Wie du das erkennst und warum moderne Ernährung oft nicht ausreicht.
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Wer sich wirklich gesund versorgt, wird schnell bemerken, dass viele Menschen um ihn herum mit ungünstigen Beschwerden kämpfen. An dieser Stelle könnte man Weston Price zitieren:
«Jeder, der sich mit der Materie befasst, wird überrascht sein und sich fragen, wie es möglich sein konnte, von so deutlich sichtbaren Zeichen des Verfalls der modernen reproduktiven Effizienz umgeben zu sein, ohne dass irgendjemand dies bisher bemerkt oder untersucht hat. (…)»
Das heisst übersetzt so viel wie: Nur jemandem, der gesund ist und sich also «mit der Materie befasst», werden die «deutlich sichtbaren Zeichen des Verfalls» moderner Gesellschaften auffallen. Das ist ein bisschen wie mit dem Dunning-Kruger-Effekt in der Psychologie – nur eben im Bereich von Gesundheit.
Das hat – wie oft erläutert – sehr sicher eine physiologische Basis. Nehmen wir als Beispiel mal den Selenspiegel. Jeder, der wissenschaftliche Literatur lesen kann, zum Beispiel diese hier, wird wissen, dass Proteine im Körper, die zum Funktionieren unbedingt auf Selen angewiesen sind – sog. Selenoproteine –, erst bei einem Serum-Spiegel von 100-120 µg/L (Vollblut noch höher) voll aktiv sind. Viele Menschen in der Schweiz, wie in vielen Teilen Europas ein ausgewiesenes Selen-Mangelgebiet, laufen mit Werten im Bereich von 60-80 µg/L durch die Gegend.
Wir sind also möglicherweise ein ganzes Leben lang suboptimal mit Selen versorgt. Und wer glaubt, moderne, ganz «tolle», «nachhaltige» Ernährungsweisen würden daran irgendwas ändern, der irrt deutlich. So konnte 2010 gezeigt werden, dass Vegetarier und Veganer eine nochmal um 20-30 % gesenkte Selenspiegel bzw. Aktivität an Selenoproteinen aufweisen. Die sind also nochmal schlechter versorgt – kein Wunder, denn die einzig nennenswerte Selenquelle in diesen Kostformen sind Paranüsse. Fisch, Fleisch, Eier und Milch fallen weitestgehend raus. Paranüsse – super regional!
Viele Menschen scheinen gar nicht auf die Idee zu kommen, dass der Körper bei suboptimaler, um nicht zu sagen fast lethaler Versorgung mit Mikronährstoffen nicht gerade die Lebensfreude verkörpern kann, die wir uns im Alltag für uns wünschen würden. Wieso soll ein Körper, der quasi am Verhungern ist, uns irgendwie Lebenskraft und Robustheit fühlen lassen? Wer also auf traurige, jammernde und leidende Menschen stösst, sollte – wie Weston Price meint – erst mal ganz genau hinschauen, ob das wirklich so sein muss oder ob es hausgemacht ist.
Mit Blick auf Selen lässt sich das konkretisieren:
In einem Fachartikel, unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und dem sehr renommierten schwedischen Karolinska-Institut, liest man folgende Schlüsselsätze:
«Se ist ein essentielles Spurenelement mit grosser Bedeutung für die menschliche Gesundheit, einschliesslich der Muskelfunktion, der männlichen Fortpflanzungsbiologie, des Herz-Kreislauf-Systems, des Hormonsystems, des Nervensystems und insbesondere des Immunsystems.»
Also, wohlgemerkt: All das funktioniert aus Sicht der Selenzufuhr bei Serumwerten von 100-120 µg/L, und nicht bei 60-80 µg/L. Doch weiter, gut zuhören:
«Bislang wurden zahlreiche Studien über die Vorteile einer Selenzufuhr bei der Verringerung des Krebsrisikos auf Ernährungsebene durchgeführt, die darauf hindeuten, dass Selen wahrscheinlich als Immunstimulator fungiert, d. h. die Immunsuppression in der Mikroumgebung des Tumors in Richtung einer Antitumorimmunität umkehrt, indem es Immunzellen (z. B. M1-Makrophagen und zytotoxische T-Lymphozyten) aktiviert und entzündungsfördernde Zytokine wie Interferon-gamma freisetzt.»
Und das geht den meisten von uns natürlich völlig ab. Selen kommt ja, wie dargelegt, nicht zugeflogen. Als Folge wundern wir uns hier manchmal – und wer dies beobachtet, merkt schnell, dass Menschen, die sich um ihre Gesundheit kümmern, oft abwehrend wirken. Das hat aber seine Gründe. :-)