
Veganismus
Fehlerbehaftet & grundfalsch
Veganismus ist oft Ideologie statt Wissenschaft. Dabei haben pflanzliche und tierische Ernährungsphasen je ihre eigenen metabolischen Vorteile – der Schlüssel liegt im Wechsel.

Veganismus
Veganismus ist oft Ideologie statt Wissenschaft. Dabei haben pflanzliche und tierische Ernährungsphasen je ihre eigenen metabolischen Vorteile – der Schlüssel liegt im Wechsel.
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Ideologien sind immer fehlerbehaftet und grundfalsch. Veganismus ist leider eine Ideologie. Der ideologische Charakter daran ist, dass Veganismus von seinen Befürwortern als eine Art «einheitliche Feldtheorie des Lebensstils» angesehen wird, die den Menschen sowohl ernährungsphysiologisch optimal ernähre und gesund halte, als auch – natürlich – ethisch die oberste Regel sei. Schwierig, weil unterkomplex.
Nichtsdestotrotz gibt es zweifellos Vorteile einer veganen Ernährung. Die zugrunde liegenden Prinzipien – um Prinzipien geht es! – lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Und gerade das, was Veganismus eigentlich schwach macht, nämlich das Fehlen von Taurin, Carnitin, Carnosin, vielen essentiellen Aminosäuren, also all das, was eine fleischreiche Kost ernährungsphysiologisch wertvoll macht, ist zeitgleich auch eine grosse Stärke.
Der Langlebigkeitsforscher Valter Longo, bekannt von seiner «Scheinfasten-Diät», bringt es auf den Punkt: Eine Ernährung, die arm an Tierprodukten ist, mimt das Fasten. Spannende Aussage, nicht wahr?
Denn, was viele so gar nicht auf dem Schirm haben: Nicht nur der Energiegehalt der Nahrung entscheidet darüber, welche Signalwege in unseren Zellen aktiviert werden, sondern auch die Art der Nahrung an sich. Offenbar ist es so, dass «gehaltvolle, tierische Nahrung» dem Körper Anabolismus signalisiert und eine Ernährung, die arm an Tierprodukten ist, ist ein Zeichen für den Körper, dass er katabol, sprich abbauend werden soll.
Ergibt auch Sinn. Wenn unsere Vorfahren dem Hirsch drei Tage vergeblich hinterher gerannt sind, dann muss der Körper vermutlich verstehen können, dass er gerade nicht an hochwertige Eiweisse und Nährstoffe kommt. Umgekehrt: Hat eine Sippe mal wieder ein Mammut erlegt, sollte der Körper schnell verstehen, dass Zeit für Anabolismus und Aufbau ist.
Wir modernen Menschen mit «westlicher Ernährung» schwimmen – aus Sicht der aktivierten Zellschalter – in Anabolismus. mTOR-Überaktivierung nennt sich das fachsprachlich. Folge sind Zivilisationskrankheiten wie Fettleber, Herzinfarkt, Insulinresistenz und Co. Uns fehlt also das Gegenteil zu Anabolismus, nämlich Katabolismus.
Wohlgemerkt: «westliche Ernährung» beinhaltet vieles, darunter auch zucker- und fettreiches, hochverarbeitetes Essen, hohe Energiedichte und so weiter. Fleisch und tierische Kost ist nicht der Grund dafür, dass wir entgleisen.
Das, was wir aus diesem möglichen Dualismus ableiten können, scheint klar: Phasen mit viel tierischer Kost sollten sich abwechseln mit Phasen, in denen man vielleicht mal weniger isst. Oder, mit anderen Worten: Man muss nicht den ganzen Tag Tierprodukte oder gar kiloweise (rotes) Fleisch essen.
Im Blog finden sich viele Beiträge zu diesem Thema. Am Beispiel einer Methionin-Restriktion (Methionin ist eine Aminosäure, die besonders reich in Tierprodukten vorkommt und in Pflanzen unterrepräsentiert ist) mit Blick auf Autophagie kann man den Gedankengang im Detail besser nachvollziehen. Mehr dazu hier.
So schliesst sich ein Kreis. Es ist nicht «entweder oder», sondern «und». Genau diese Ansicht unterscheidet eine Ideologie von einem durchdachten und differenzierten Ansatz. Natürlich können vegane Phasen, die in uns dann als eine Art Fasten wirken, und gesund halten.
Doch ein Zyklus ist nur dann komplett, wenn eine Phase des Katabolismus (= weniger tierische Kost) dann auch mit einer Phase des Anabolismus (= mehr tierische Kost) abgeschlossen wird. So, wie es Ori Hofmekler (Warrior Diet), damals am Beispiel vom «periodic undereating», plastisch erklärte.
Köpfe einschlagen sollen sich die anderen. Wir schauen uns wirksame Prinzipien ab und integrieren sie in unser Leben.