
Nährstoffe
Geheimnis Milchfett
Butter und Milchfett wurden zu Unrecht verdammt. Neue Forschungen zeigen, dass Milchfette wie konjugierte Linolsäure und Vitamin K2 erstaunliche schützende Wirkungen für unsere Herzgesundheit haben.

Nährstoffe
Butter und Milchfett wurden zu Unrecht verdammt. Neue Forschungen zeigen, dass Milchfette wie konjugierte Linolsäure und Vitamin K2 erstaunliche schützende Wirkungen für unsere Herzgesundheit haben.
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Der eine oder andere wird sich sicher noch an Zeiten erinnern, in denen wir die böse Butter durch gute Margarine ersetzen sollten. Noch gar nicht so lange her. In manchen «Expertenkreisen» wird das noch heute so vertreten.
Die Logik: Tierfett enthält viel gesättigtes Fett, das den Cholesterinspiegel in die Höhe treibt und damit Herzkreislauferkrankungen verursachen soll. Margarine, also Pflanzenfett, hat kaum gesättigte Fette und stattdessen viele mehrfach ungesättigten Fettsäuren – diese Kombination soll den Cholesterinspiegel senken. Und in der Tat: Studien zeigen genau das. Ersetzt man Butter bzw. gesättigte Fette durch Margarine bzw. Pflanzenöle, sinkt der Cholesterinspiegel. Blöd nur, dass das noch nie zu besseren Outcomes, sprich zu einem geringeren Risiko für Herzkreislauferkrankungen geführt hat. (Vgl. Q)
Da hat man nämlich etwas «vergessen». Das ist wie beim Zähneputzen. Es ist ja schön, wenn man regelmässig zur Zahnreinigung geht und fleissig die Zähne putzt. Wenn die Mundflora aber durcheinander ist und man sich dank seiner raffinierten Ernährung, Achtung Wortwitz, und viel Zucker die falschen Bakterien züchtet, dann werden einem die Zähne trotzdem wegfaulen. Die Einsicht muss man erst mal bekommen. An der Stelle sollte jeder mal Weston Price gelesen haben.
Soll heissen: Arteriosklerose, also die Krankheit, die unsere Gefässe kaputtmacht, ist eine Systemerkrankung. Da gehört also ein bisschen mehr dazu, als den Cholesterinspiegel zu senken, wenn man sie nicht bekommen will. Und genau aus dem gleichen Grund ist Butter eben nicht nur «böses gesättigtes Fett», wie dies in manchen Medien heute noch verbreitet wird. Und das lässt sich beweisen.
Milchfett gehört zu jenen Fettquellen mit dem höchsten Anteil an gesättigten Fettsäuren. Doof. Doch dann haben Forscher schon vor einigen Jahrzehnten eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Milchfett ist die beste Quelle für eine Transfettsäure, die bei der Verdauung von Wiederkäuern (z. B. Kuh) entsteht und in der Milch landet – die konjugierte Linolsäure. In Experimenten kann diese Fettsäure die Entstehung von Arteriosklerose nicht nur bremsen, sondern sogar umkehren (Q). Vielleicht ein Grund, warum die Franzosen mit ihrem exzessiven Käsekonsum ein niedrigeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen haben als wir, wer weiss.
Doch diese Transfettsäure kann noch viel mehr. Das hatten wir hier mal aufgearbeitet. Hinzu kommt, dass Milchfette eine der besten Quellen für Vitamin K2 sind. In Käse finden sich unverschämt hohe Mengen Vitamin K2 – auch dieses Vitamin schützt unsere Gefässe und hat eine ganze Bandbreite an positiven Wirkungen auf den Körper. Ausserdem enthält Milchfett, speziell die Butter, rund 15 % kurz- und mittelkettige Fettsäuren – das sind gesättigte Fettsäuren, die völlig anders verstoffwechselt werden als die herkömmlichen langkettigen gesättigten Fette. Die machen nicht krank, im Gegenteil.
Und dann waren Forscher verblüfft, als sie ein wahres Geheimnis um Milchfette lüften konnten. Denn paradoxerweise waren Milchprodukte mit Fettstufe immer mit niedrigerem Diabetesrisiko assoziiert. Hat nicht so sehr ins Weltbild der Wissenschaftler gepasst. Des Rätsels Lösung, so die Forscher, könnte eine weitere Transfettsäure sein – die Trans-Palmitoleinsäure. So fanden die Forscher in einer grossen US-Studie heraus, dass die Trans-Palmitoleinsäure – wohlgemerkt: aus Milchfett! – mit einem um 60 % verringerten Risiko für Diabetes assoziiert war.
«Das ist ein extrem starker Schutzeffekt – stärker als alle anderen bekannten Massnahmen zur Vorbeuge gegen Diabetes», sagt Gökhan Hotamisligil von der Harvard School of Public Health in Boston (Q). Und auch die Trans-Palmitoleinsäure scheint das Risiko für Herzkreislauferkrankungen deutlich zu senken, denn durch Optimierung des Energiestoffwechsels verbessert sie auch die Blutfettwerte und Marker für Entzündungen.
Und genau das ist die Welt, in der viele Menschen, auch und gerade Forscher, gefangen sind. Sie wollen Ernährung dekonstruieren und auseinanderfriemeln, um Verknüpfungen herzustellen, die am Ende gar nicht existieren. Um den Bogen zum aktuellen Blog-Artikel zu spannen, sei jedoch gesagt: Das gilt nicht immer. Manchmal ist gesättigtes Fett, z. B. die Palmitinsäure, nicht förderlich für uns – und manchmal kann die jeweilige Fettquelle das auch nicht mehr auffangen oder kompensieren.
Davon handelt der aktuelle Blog-Artikel. Lesen lohnt.