
Vitamin C
Vitamin C: Was wir bisher übersehen haben
Ein Meilenstein-Experiment von 1944 und eine bahnbrechende Neuanalyse von 2021 zeigen, dass die empfohlene Vitamin-C-Zufuhr möglicherweise nicht ausreicht für optimale Wundheilung und Gesundheit.

Vitamin C
Ein Meilenstein-Experiment von 1944 und eine bahnbrechende Neuanalyse von 2021 zeigen, dass die empfohlene Vitamin-C-Zufuhr möglicherweise nicht ausreicht für optimale Wundheilung und Gesundheit.
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1944 fand in Sheffield (England) eines der wohl berühmtesten und wichtigsten Experimente an Menschen statt. Nahrungsmittel waren damals knapp und so entschlossen sich Forscher, eine Tugend aus der Not zu machen.
Die Forscher testeten auf Basis der damaligen Vitamin-C-Knappheit, was die niedrigste Vitamin-C-Schwelle ist, um die Vitamin-C-Mangelerkrankung Skorbut zu vermeiden – 20 Probanden wurden aufgeteilt und durften neun Monate lang täglich je 0, 10 und 70 mg Vitamin C zu sich nehmen.
Bereits 1933, also nur wenige Jahre zuvor, entdeckte der berühmte Forscher und spätere Nobelpreisträger Albert Szent-Györgyi, dass sich die damals noch mysteriöse Seemannskrankheit Skorbut mit dem 1926 von ihm entdeckten Vitamin C vermeiden liess.
Zu diesem Zeitpunkt war Skorbut schon fast 2'000 Jahre lang bekannt. Selbst im Zeitalter der Entdeckungen, ab etwa 1500, starben sehr viele Seefahrer regelmässig an Skorbut – aus Überlieferungen ist bekannt, dass kanadische Ureinwohner zu diesem Zeitpunkt bereits ein «Gegenmittel» für Skorbut hatten (Vitamin-C-reiche Pflanzenteile).
500 Jahre später, in England 1944, sollte sich zeigen, welche Dosis nötig ist, um Skorbut zu vermeiden. Im Zuge dieses extremen Experiments, das es so heute nicht mehr geben würde, erkrankten einige Probanden lebensgefährlich – glücklicherweise gab es keine langfristigen Schäden.
Neben extremer Müdigkeit und Erschöpfung, Entzündungen, Muskelschwund und erhöhter Anfälligkeit für Infektionen, sind Störungen bei der Kollagenbildung ein Hauptmerkmal eines Vitamin-C-Mangels. Ohne Vitamin C kann Kollagen nicht gebildet werden.
Daher sind typische Skorbut-Merkmale exzessives Zahnfleischbluten (Mundfäule) – aber auch Wundheilungsstörungen. Genau so wurden die Probanden damals untersucht. Die Forscher erzeugten Wunden bei den Probanden und analysierten die Narbenstärke.
Mit der Schlussfolgerung damals: 10 mg Vitamin C braucht es mindestens, um diese schwere Mangelerkrankung zu vermeiden. Auf Basis dieser Erkenntnisse setzt die WHO damals eine Mindestzufuhr von Vitamin C bei 45 mg als Empfehlung fest.
2021 erschien im berühmten Fachmagazin The American Journal of Clinical Nutrition eine Auswertung der Reevaluierung der Daten von damals. In ihrer «detektivischen Arbeit» nutzten Forscher modernste Methoden zur Datenanalyse, die es damals nicht gab.
Mit dem Resultat:
«Robuste parametrische Analysen der alten Daten zeigen, dass eine durchschnittliche tägliche Vitamin-C-Zufuhr von 95 mg erforderlich ist, um eine schwache Narbenfestigkeit bei 97,5 % der Bevölkerung zu verhindern.»
Die für eine normale Narbenheilung bei den meisten Menschen benötigten Dosen sind um ein Vielfaches höher als die Mindestdosen, die für die Wundheilung an sich erforderlich sind.
Ausserdem ergab die neue Auswertung, dass man zur Wiederherstellung normaler Vitamin-C-Werte nach einem (langanhaltenden) Mangel, hohe Vitamin-C-Dosen braucht. Denn selbst 90 mg Vitamin C über einen Zeitraum von sechs Monaten konnte die normale Narbenfestigkeit nicht mehr wiederherstellen.
Konstatieren wir: Viele Menschen blicken stets nach unten. «Wie viel braucht's, um eine Marginalgrenze zu erreichen, die den Ernstfall verhindert?» Selbst die WHO schreibt in aktuellen Arbeiten über Vitamin C, dass eine Vermeidung eines extremen Mangels nichts mit optimaler Zufuhr zu tun hat.
Was genau eine optimale Vitamin-C-Zufuhr sein könnte, deutet nicht nur die neue Studie an – auch in unserem [Quelle nicht mehr verfügbar] widmen wir uns kurz der Frage, welche Vitamin-C-Zufuhr ausreicht, um die Vitamin-C-Spiegel zu sättigen.
Sollte man – wie immer – wissen!