Warum isst der Mensch Tiere?
Was im gesellschaftlichen Diskurs bei uns heute falsch läuft, lässt sich an einem aktuellen Beispiel gut zeigen.
Scientific American gar nicht so scientific
Wir folgen Scientific American, die «als eine der ältesten und weltweit angesehensten populärwissenschaftlichen Zeitschriften» gilt.
Gehört zum eigentlich renommierten Springer Nature-Verlag, wo auch wir unser Buch publiziert haben. Wirkt vertrauenswürdig.
Neulich stolperten wir aber auf einen seltsamen Artikel, der titelt:
Does Humanity Have to Eat Meat?
Meat-eating may not have made us human after all, say paleoanthropologists
Direkt schwierig. Denn die Frage, ob man heutzutage noch Fleisch essen sollte, wird hier mit einer Aussage verknüpft, die eines der grössten Credos der Anthropologie infrage stellt.
Das da lautet: Den Mensch (Homo sapiens) gibt es, weil eine Vorgängerart von uns (Australopithecus) vermehrt tierische Produkte in den Speiseplan integrierte und so die Entstehung der Gattung Homo vor 2-3 Mio. Jahren überhaupt erst ermöglichte.
Das wiederum wird durch eine jahrzehntelange Forschung gestützt, die eindrücklich darlegt, was sich bei uns Menschen verändert hat seit dem gesicherten Konsum von Tierprodukten.
- Ein exponentielles Hirnwachstum (Verdreifachung des Volumens!)
- Wesentlich grazileres Gebiss (Wir jagen, zerlegen und essen Fleisch mit den Händen!)
- Eine völlig divergierende Verdauungsmorphologie im Vergleich zu allen anderen noch heute lebenden Menschenaffen
- Uvm.
Zweifellos werden hier mehrere glückliche Faktoren eine Rolle gespielt haben. Fakt ist aber: Selbst der klügste Schimpanse – wir haben einen gemeinsamen Vorfahren! – erreicht selten das intellektuelle Niveau eines Kleinkindes. Es brauchte also eine drastische, umfassende Veränderung, um das zu ermöglichen.
Zweifelhafte Methoden – aus Deutschland
Was also völlig in Ordnung ist: Sich zu fragen, ob und wie viel Fleisch der Mensch heute – in Zeiten des XXL-Schnitzels – essen sollte. Was nicht in Ordnung ist: Fakten lapidar abzutun, um eine (eigene) These zu stützen.
Und so argumentiert der ganze Artikel an der Kernfrage, die er beantworten will, vorbei.
Nicht einmal gelingt es der Autorin, diesen enormen Bogen zwischen der Frage nach der Notwendigkeit des XXL-Schnitzels heute und der Frage nach der Bedeutung des Fleischkonsums in unserer Entwicklungsgeschichte zu schlagen.
Seltsam für eine so hochwertige Zeitschrift. Ergibt erst Sinn, wenn man sich bis zum Ende durchkämpft.
Dort steht dann, dass der Artikel ursprünglich in der deutschen Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft erschienen sei und nicht zwangsläufig die Ansichten des Magazins wiedergebe.
Deutschland wieder. Das Land der Moralapostel.
Im Spektrum der Wissenschaft selbst war der Beitrag Teil der Themenwoche «Verantwortungsvoll Fleisch essen – geht das?», die mit dem Artikel «Protein-Wende: Die Zukunft des Fleischessens», in dem es darum geht «die Produktion von proteinreichen Lebensmitteln von der Landwirtschaft in die Fabrik zu verlagern», abschloss.
Tierprodukte können gesundheitsfördernd sein
Zu durchschaubar. Warum? Warum verkommt seriöse wissenschaftliche Bildung mehr und mehr zu einer Art Erziehungskampagne, die sich – im Glauben an eine Art überlegene ethische Mission – zu zweifelhaften Methoden hinreissen lässt?
Dabei ist das gar nicht nötig. Es gibt zahlreiche gesundheitliche und ökologische Gründe, warum man kein XXL-Schnitzel braucht. Dafür muss man sich nicht mit einem Cro-Magnon vor 30'000 Jahren vergleichen oder die schlimmsten Horrorszenarien der Zukunft bemühen.
Gleichwohl gibt es eine Vielzahl an Gründen, warum zumindest der mässige Konsum von Tieren und Tierprodukten gesundheitlich wertvoll ist. Das lässt sich schlicht nicht so einfach im Labor kopieren – welch Hybris, die wirtschaftlichen Interessen von industriellen Grosskonzernen in die Karten spielt!
Mehr zu diesem Themenkomplex in unserem aktuellen Instagram-Beitrag und Instagram-Reel zum Thema Kreatin (kommt nur im Fleisch vor).